Update: Wo ist das Fleisch?

Vegetarisch Essen

In meinen Blogbeiträgen und auf Instagram wurde es in den letzten Wochen immer deutlich: Es gibt kein Fleisch mehr bei mir.
Das ist auch einigen von euch aufgefallen und ihr habt nachgefragt.

Warum das so ist, ich aber trotzdem kein Vegetarier bin, versuche ich heute zu erklären.

Ich möchte explizit sagen, dass ich niemanden missionieren möchte – und auch selbst nicht missioniert werden will.
Es gibt Gründe, kein Fleisch zu essen, aber nicht für jeden ist das der passende Weg, sich glücklich zu ernähren. Wenn ein Mensch die Entscheidung fällt, weniger tierische Produkte zu sich zu nehmen, sollte das aus ihm selbst kommen und nicht aufgezwungen werden.

Besonders viel Fleisch habe ich eigentlich nie gegessen.

Zumindest fühlt es sich so an. Wenn ich mal genau drüber nachdenke, war es doch gar nicht so wenig. Ich steh zwar nicht so auf Wurst, aber so richtig leckere luftgetrocknete, französische Salami ist schon toll! Oder geräucherter Schwarzwälder Schinken!

Es musste auch nicht jeden Tag Fleisch zum Mittagessen sein, aber in der Mensa habe ich doch öfter den Nudelteller Bolognese genommen oder einen Strauß probiert (war nicht so spannend). Und Hack gab es mindestens einmal die Woche.

Ich habe gern Jägerschnitzel beim Imbiss gegessen, aber selten mal einen Döner (mag ich einfach nicht so gerne). Ich bin spät auf die Currywurst gekommen, habe mich dann aber hier in Berlin leidenschaftlich durchprobiert.

So wenig Fleisch kann es also nicht gewesen sein, wenn ich mir mal die Statistik des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie anschaue (und vor allem, wenn ich mir alte Mittagessenfotos aus dem Büro ansehe):

Quelle: Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V.

Etwas über 60 Kilo Fleisch landeten 2014 geschätzt in unseren Mägen. Dazu kommen noch etwa 28 Kilo, die wir anderweitig „verbraucht“ haben, die also als Nahrungsmittel wegen uns draufgegangen sind, oder als „Verlust“ entsorgt wurden, Hühnerknochen oder so beispielsweise.

60,3kg Fleisch im Jahr – das sind 165g pro Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hingegen schreibt:

„Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 – 600 g Fleisch und Wurst pro Woche essen.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.

Da gehen also Vorschlag und Wirklichkeit ein ganzes Stück auseinander.

Aber letztlich: Solche Zahlen kannte ich. Ich weiß auch, dass Tiere sterben müssen, damit man sie essen kann.
Und: Ich habe damit kein ethisches Problem.

Fleischfrei durch Fernsehen

Mich hats tatsächlich erwischt – ich hab mir „eine dieser Dokus“ angeschaut. Mein eigentliches Problem ist – das habe ich festgestellt – diese selbstverständliche „Produktion“ von Fleisch. Als wären es keine Tiere, sondern Kohlköpfe oder Hafer.
Das sind Massen, die kann man sich gar nicht vorstellen …

Aber viel verrückter: Suppenhühner mit Innereien bekommen zum Verkauf einen Beutel Innereien in ihr Innerstes gelegt. Aber hast du jemals darüber nachgedacht, dass diese Innereien nicht seine eigenen sind? Dass sie aus einem bunten Haufen Innereien in einen Beutel gepackt und dann einem x-beliebigen Huhn in den Bauch gelegt werden?
Das find ich total abgefahren … und den Gedanken dahinter konnte ich nicht ertragen.

Ich sehe übrigens bei der Viehzucht auch keinen generellen Vorteil von Bioprodukten, schließlich können die Tiere trotzdem in Ställen leben, ohne jemals das Tageslicht zu sehen. Da sind noch ganz andere Selbstverpflichtungen und Siegel wichtig.
Aber bevor ich 8 Euro für ein wenig Fleisch ausgebe, kaufe ich mir für das Geld lieber was anderes.

Konsequent ist trotzdem anders

Wir kaufen also nun seit einigen Wochen selbst kein Fleisch mehr, experimentieren mit vegetarischen und veganen Gerichten und Zutaten, an die ich mich sonst nicht rangetraut habe. (Ich mag ja auch vieles nicht …)

Wenn es aber nun fertig zubereitete Fleischgerichte gibt (z.B. bei Events), ist es auch schon vorgekommen, dass mich die Lust auf Currywurst übermannt hat. Oder beim Dritten Foodiemeetup gab es unterschiedliche Salate – und ich stellte erst beim Essen fest, dass das eine kein Kürbis, sondern Hühnchen war.

Ich habe keinen Ekel vor Fleisch. Ich will nur möglichst wenig davon essen.

Außerdem sind wir keine Veganer. Ich trinke nach wie vor Milch, esse (und verbacke) Eier und könnte mich jedes Mal an der Käsetheke arm kaufen.
Dabei achten wir nun allerdings schon vermerht auf Bio, denn letztlich ist jede kleine Verbesserung trotzdem eine Verbesserung.

Wirklich toll finde ich demeter-Milch, die kriegt man allerdings nicht in jedem Supermarkt. Diese Milch wird nicht homogenisiert, d.h. die in der Milch enthaltenen Fettkügelchen werden nicht verkleinert und so rahmt die Milch auf. Das ist wie früher – da haben wir unsere Milch nämlich immer direkt vom Hof geholt.

Du siehst also: Ich habe hier eine persönliche Entscheidung getroffen, die Auswirkungen auf den Blog hat. Lecker, schnell und günstig bleibt es aber.

Schauen wir mal, was in nächster Zeit so auf dem Teller landet!

Hast du besondere Vorlieben oder Einschränkungen beim Essen?

18 Gedanken zu “Update: Wo ist das Fleisch?

  1. Toller Post 🙂
    Dass wir alle zu viel Fleisch essen ist mir schon länger bewusst und ich versuche auch weniger Fleisch zu essen, aber bisher ohne Erfolg. Nicht weil ich nicht darauf verzichten kann, sondern eher aus Gewohnheit und Faulheit. Eine Wurst anzubraten geht einfach viel schneller als erstmal den Salat zu waschen, schneiden und das Dressing zubereiten.
    Deshalb finde ich es toll, dass du das machst.

    LootieLoo's plastic world

  2. Hallo Caro,

    das ist ein interessanter Artikel von Dir. Bei uns ist es ähnlich, wenngleich wir noch immer ab und an Fleisch kaufen. Unser gesamtes Einkauf- und auch Essverhalten hat sich über die letzten 4-5 Jahre hinweg kontinuierlich verändert. Wir essen nach wie vor gerne Wurst, aber auch das ist deutlich weniger geworden. Fleisch gibt es meist nur noch alle 2-3 Wochen. Dann aber "gutes" Fleisch. Fleisch, von dem wir wissen, wo es herkommt, wie es produziert wird und wie das Tier gehalten wird. Das hat natürlich seinen Preis, aber das ist es uns auch wert – vor allem, da wir eben kaum noch welches essen.

    Ich finde es toll, dass du NICHT missionieren möchtest (das kann ich nämlich selbst auch gar nicht ab, ich finde jeder sollte so Essen wie er das möchte und wie er das für richtig hält).

    Viele Grüße an Dich,

    Jasmin

  3. Ein sehr guter Beitrag. Find ich toll, dass du dich nicht bekehren lassen willst und deinen eigenen Weg gefunden hast.
    Mir gehts auch so ähnlich. Ich brauche nicht jeden Tag Fleisch. Manchmal hab ich richtig Lust drauf, manchmal gar nicht und mein Freund fragt "Ja und wo ist das Fleisch?". Er isst also sehr fleischlastig im Gegensatz zu mir. Ganz verbieten lassen will ichs mir auch nicht, aber man achtet schon vermehrt drauf, weniger zu essen.
    Finde die Tierhaltung natürlich auch nicht optimal (ganz und gar nicht!!!), aber du wirst sowas nur stoppen können, wenn gar niemand mehr Fleisch isst und das wird einfach niemals passieren. Klar ist das für dein Gewissen dann besser, aber ändern wird sich auch nichts.

    Haha sehr süß 😉 Aber du merktst wenigstens, dass du Taktprobleme hast. Manche tanzen und denken sie "können" es, aber es sieht schlimm aus 😀 Also ich bin auch kein Profi, Tanktgefühl habe ich aber natürlich. Habe auch schon mal einen Tanzkurs als Aushilfe mit einem gemacht, der NULL Taktgefühl hatte – das war eine Aufgabe, aber ich hab sie geschafft und ihm das Taktzählen beigebracht xD

    Na dann ist der Amerikanerverzehr bei dir so wie bei mir der Fleischverzehr 😛
    <3

  4. Liebe Caro, das finde ich gut. Mir geht es genau so. Ich bin weder Vegetarier noch Veganer, aber Fleisch esse ich total selten. Wenn man es auch länger nicht ißt, fehlt es auch fast gar nicht – außer bei der Curry-Wurst – die finde ich 2 mal im Jahr auch oberlecker! Mach weiter so. Liebe Grüße Rebecca

  5. Also mir geht es tatsächlich so, dass ich schon oft einen gewissen Ekel vor Fleisch habe… Daher esse ich tatsächlich schon immer sehr wenig Fleisch. Es kann mal passieren, dass es mich überkommt und ich (grad jetzt in der Vorweihnachtszeit) auf einmal Lust auf eine Bratwurst bekomme, aber na ja… Vielleicht mal einen Burger oder so, aber generell esse ich nicht viel Fleisch und kann jeden verstehen, der es ähnlich macht.

  6. Hallo!
    Ich finde Deine Einstellung super! Durch Zwang erreicht man gar nichts.
    Ich bin selber seit Ewigkeiten Vegetarierin, und das aus ethischen Gründen. Deswegen ist mir natürlich klar, dass es für mich eigentlich nur konsequent wäre, mich vegan zu ernähren.Für den Käse müssen nun mal auch Kälber sterben. Männliche Küken werden getötet, weil sie nicht als Legehenne genutzt werden können usw..
    Aber ich liebe nun mal Käse und möchte nicht darauf verzichten.
    Darum denke ich, man muss sich irgendwo Grenzen setzen. Dass, was ich bis dort mache, ist ökologisch wertvoll, für alles andere muss man aber kein schlechtes Gewissen haben.
    Ich freue mich schon auf Deine vegetarischen Rezepte!
    Viele Grüße
    Lina

  7. Hahaha, "Wo ist das Fleisch" hätte früher auch von mir sein können. Gerade in der Mittagspause gabs häufig mal Burger oder Schnitzel(brötchen).
    Mittlerweile ist es aber tatsächlich so, dass ich an leckere Burger denke und dann mehr Lust auf Halloumi als auf saftiges Rind habe … meistens 😀

  8. Liebe Caro,
    Du schreibst mir hier aus der Seele, es ist als ob Du meine Gedanken aufs Papier gebracht hast. Ich bin keine Vegetarierin, doch auf meinem Blog sind keine Rezepte mit Fleisch und Wurst zu finden, einfach aus Respekt vor diesen Lebewesen. Jeder darf nach seiner Fasson glücklich sein, nur möchte ich meinen Anteil nicht noch mehr vergrößern, dass diese Tiere so unglückselig herangezogen werden.
    Wünsche Dir viel Genuss mit Deinen vegetarischen Gerichten, wer weiß, wohin die eigenen Entwicklungen noch gehen.
    Liebe Grüße Sigrid

  9. Ich ernähre mich jetzt seit letztem Februar fast durchgehend vegetarisch (die Ausnahmen kann ich an einer Hand abzählen) und es fällt mit der Zeit immer leichter. Weihnachten wird jetzt noch sehr spannend, weil ich nicht selbst koche und niemandem mehr Arbeit machen möchte, also mich dann wahrscheinlich bloß durch die Beilagen futtern werde …
    Was mir aber auch sehr geholfen hat, war mir jedes Mal bewusst zu machen, ist es das jetzt wert dass dafür ein Tier draufgegangen ist? Und manchmal war es das dann halt auch.
    Ich find's auf jeden Fall eine gute Sache, der Vegetarismus. Und genau wie du sagst, das muss auch jeder so machen wie es ihm gut damit geht. <3

  10. Ich finde das eine positive Einstellung, was ich immer nicht leiden kann, ist das "missionieren" der Anderen. Ich selber esse meistens in meiner Uni-Mensa vegetarisch, da mir das meistens besser schmeckt. Aber finde ich toll, dass du bewusster dich ernährst und halt mal hinschaust, woher was kommt.

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