Zeit für Paprika

Zeit für Paprika

Vor kurzem war ich zu einem Abendessen rund ums Thema Paprika eingeladen.
Meine Familie und enge Freunde wissen, dass ich nicht besonders auf Gemüse stehe. Als Kind habe ich eigentlich nur rohe Gurke und (wenns hoch kam) mal ein paar Prinzessbohnen gegessen. Rohkost fand ich nie besonders gut und wenn, dann habe ich – genau – die Paprikasticks übrig gelassen.

Paprika Rohkost

Das hat sich mittlerweile geändert: Ich esse durchaus Gemüse und einiges sogar ganz gerne. Paprika kommt mir immer mal wieder in die Töpfe oder den Ofen, aber vermutlich bei weitem nicht so oft, wie es gesundheitlich ratsam wäre.

Und vielleicht tue ja nicht nur ich mich schwer damit, Paprika ein bisschen kreativer zu servieren als in Soßen? Und vielleicht gibt es bei dir zu Hause ja auch den ein oder anderen Mitesser, der nicht so auf Rohkostplatten steht? Gerade Kinder können da ja echt schwierig sein.

Auch das war Thema beim Kochkurs „Zeit für Paprika„. Oder besser: Das war das eigentliche Thema. Denn Paprika kann so viel mehr als Rohkost und schmeckt dann auch Kindern (kleinen wie großen) wirklich gut.
Dafür bin ich das beste Beispiel.

Aber fangen wir mal von vorne an:

Vitamin-C-Bombe Paprika

Dass es extra für die Paprika eine Veranstaltung gibt, kommt nicht von ungefähr. Paprika ist nämlich gesund.

Ha!

Und gab es sie „früher“ gefühlt nur in rot, gelb und grün (dabei war grün immer am unbeliebtesten – ist das immer noch so?), findet man jetzt auf Märkten und in Supermärkten kleine Paprika (Snackpaprika), lange Paprika (Spitzpaprika), orange Paprika oder sogar gestreifte Paprika (die neue Sorte Enjoya). Die Snackpaprika sind eher süß und ganz, ganz toll mit Frischkäse auf Brot.

Für ein Vier-Gänge-Menü haben sich in Berlin Paprikaexperten, Köche und Blogger zusammengefunden und wir haben im Rahmen des EU-Projekts „Zeit für Paprika“ ein Vier-Gänge-Menü kreiert, das sich wirklich sehen lassen kann.
Den Paprika-Overkill gab es dann die folgende Woche: Denn wir haben so viel Gemüse mit nach Hause genommen, dass ich noch Tage später überall eine Paprika reingeschnitten habe.

Wo kommt Paprika eigentlich her?

Schaut man im Supermarkt nach der Herkunft der Paprika (lat. Capsicum Annuum), sind diese meist aus den Niederlanden oder aus Spanien. Ganz eigentlich ist es aber eine tropische Pflanze, die Columbus mit nach Europa gebracht hat.

Paprikaquiche Mürbeteig

In den Niederlanden gibt es Gewächshäuser mit fantastischen energiesparenden Konzepten (das Wasser erzeugt die Wärme für die Lampen oder so ähnlich). Wir sind hier schon lange über die Zeit der wässrigen Tomaten hinaus und die Qualität der Paprika ist wirklich toll. Hier wird auch gern mit Nützlingen statt chemischen Substanzen gearbeitet. Das Bio-Siegel fehlt, so haben wir es gelernt, teils nur deswegen, weil die Pflanzen nicht in natürlichem Erdboden, sondern auf Kokosfasern wachsen.

In Spanien gibt es auch viele Gewächshäuser. Mein Kollege bei der Zeitung hat da vor einigen Jahren mal eine Dokumentation über die Gewächshäuser in der Region Almería gedreht und auch viele unschöne Dinge ans Licht gebracht. Problematisch waren damals die Arbeitsbedingungen (viele Illegale aus Afrika, die unter schlechten Bedingungen lebten und arbeiteten) und der Einsatz von Pestiziden. Ein paar Infos zu El Ejido gibt es hier.

Jede Paprika kann was anderes

Was ich total faszinierend finde (und worüber ich vorher nie nachgedacht hatte): Paprikas haben natürlich nicht nur unterschiedliche Farben, sondern auch unterschiedliche Nährstoffe. Und je nachdem, was man „braucht“, kann man sich für eine Sorte entscheiden.
Dabei gibt es teilweise auch gar nicht so große Abweichungen zwischen gekochten und rohen Paprika. Paprikahaut hingegen ist schwer verdaulich. Wer also die Paprika grillt und die Haut entfernt, dem kann ich sagen: Das ist auch nicht schlimm, sondern bringt immer noch Vitamine.

Eigentlich gilt: Je bunter, desto besser.
Eine Mischung aus allen Farben und aus roh und gekocht ist auf jeden Fall gesund – und schmeckt!

Wie schaffe ich es, dass mein Kind Paprika isst?

Und wenn du bis hierher durchgehalten hast, weil dein Kind, deine Kinder, deine Nichten, Neffen oder Enkel einfach kein Gemüse essen wollen, hab ich hier ein paar Tricks für dich:

  1. Schön machen

    Nicht jeder schafft es wie Sarah vom Blog Kinder kommt Essen wunderhübsche Geschichten auf den Teller zu zaubern, aber einen Paprika-Oktopus (Paprika in Streifen schneiden und als „Arme“ aus einer Schüssel Frischkäsedip rausgucken lassen) kann man sich schonmal stehen lassen.
    Mit Plätzchenausstechern lassen sich auch ganz tolle Formen stanzen – oder man kann Gesichter legen. Und dann macht das Essen sogar Gemüsemuffeln Spaß!

  2. Verstecken

    Okay – nicht unbedingt nachhaltig, wenn ein Kind sich an Gemüse gewöhnen soll: Aber wenn jemand partout gar kein Gemüse essen will, helfen nur fiese Tricks. Meine Mama hat die Zwiebeln für die Frikadellen immer püriert und in einer Gulaschsoße fallen sehr kleine oder pürierte Paprika auch gar nicht auf.

    Kartoffel-Paprikapuffer

     

  3. Mithelfen

    Manchmal reicht es auch einfach, wenn die Kinder das Essen nicht vorgesetzt bekommen, sondern selbst mithelfen dürfen. Dafür müssen sie ja nicht gleich mit dem großen Messer hantieren, aber Salatblätter zupfen, im Kochtopf umrühren oder sich die eigene Portion selbst nehmen kann schon helfen.
    Oder vielleicht Fischstäbchen selbst panieren? Das haben wir gemacht:
    Fischstäbchen selber machen

  4. Selbst anbauen

    So habe ich früher Kartoffeln gegessen: Bei meinen Eltern oder Großeltern im Garten wurden die von mir verhassten Kartoffeln gepflanzt. Und als dann Erntezeit war und ich „meine“ Kartoffeln in der Hand hielt, habe ich sie auch gegessen.
    Paprika funktionieren auch auf dem Balkon (das habe ich in diesem Jahr gelernt), da gibts also keine Ausrede mehr 😉
    Paprika Balkon

Ich hoffe, dieser kleine Exkurs in die Welt der Paprika hat dir gefallen!

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei Katrin und Maren von Dederichs Reinecke & Partner bedanken, die aus Hamburg gekommen sind, um den Workshop mit uns durchzuführen.
„Wir“, das waren Rebecca von Baby Rock my Day, Sandra von Frau Bunt kocht, Rebecca von Elfenkind Berlin und Vanessa, die Kleinschmeckerin.

Mit dabei war auch Nicole von Forrest Cook, einem Hamburger Unternehmen, das gesundes Essen für Kindertagesstätten macht und dabei wirklich auf alle Bedürfnisse eingeht. Ganz toll!

6 Gedanken zu “Zeit für Paprika

  1. Ich würde ja auch gerne Paprika probieren, aber ich krieg schon Ekel, wenn ich nur ein kleines Stück im Mund hab. :/
    Da helfen mir leider auch deine Supertipps nichts. 🙂

    Liebe Grüße,
    Anna

    1. Wow, Anna, so krass?
      Ich hatte es auch ne ganze Zeit lang, dass ich Paprikastücke gar nicht essen mochte. Beim Gedanken daran, mir von nem Rohkostteller ein Stück grüne Paprika zu nehmen oder aus der Gulaschsoße einen Löffel zu nehmen, hats mich geschüttelt.
      Das hat sich mittlerweile zum Glück gelegt. Bei mir ging also alles nur so, dass es bis zur Unkenntlichkeit püriert war 😉 Pürierte Paprika in Gulaschsoße sind mir nämlich nicht aufgefallen 😉
      Liebe Grüße
      Caro

  2. Toller und informativer Post! Ich mag Paprika sehr gerne (den roten natürlich am liebsten :D). Habe sogar mal einen Kollegen gesehen, der in eine ganze Paprika reingebissen hat. Als Snack quasi^^ So wie andere Leute Äpfel essen. Fand ich irgendwie seltsam, aber warum nicht?! 😀

    1. Dankeschön!
      Ja, sowas wie deinen Kollegen hab ich auch schonmal gsehen. Paprika find ich schon merkwürdig, aber bei Tomaten überkommt mich ein Schauer! Das gehört echt zu echt Sachen, die ich mir immer noch nicht vorstellen kann, obwohl ich ja mittlerweile Gemüse esse 😀

  3. Ich finde Paprika ja super lecker. Außer die grünen…über die ich schonmal eine ca. einstündige Diskussion in einer Gruppe hatte: „Warum mag niemand die grünen Paprika ?“ ;-). Auf jeden Fall kommt die Paprika bei mir mehrmals die Woche auf den Tisch: ob im Salat oder in der Soße. Lg aus Düsseldorf

    1. Das ist echt abgefahren, oder?
      Die grüne Paprika ist halt die, die noch unreif ist und später mal gelb oder rot (oder orange etc.) werden könnte. Hier sind einige Stoffe wohl noch nicht so ausgeprägt, darum ist die grüne Paprika am wenigsten beliebt. Die anderen sind definitiv süßer, oder?

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